Kodachrome oder warten auf die Diafilmentwicklung

Wer heute noch Diafilme belichtet, stellt sich zu Recht die Frage „Wer entwickelt meinen Dia- oder Umkehrfilm?“ Filmentwicklung, einst in jeder Kleinstadt möglich, ist ein Nischengeschäft geworden. Besonders wenn es um Diafilme wie den Kodachrome 25 oder 64 geht. Bis 2005 waren solche Themen fotografischer Alltag. So schwörten Generationen von Fotografen auf den Kodachrome 25 oder auf den etwas empfindlicheren Kodachrome 64. Simon& Garfunkel schwärmten in Ihrem Song „Kodachrome“ von „nice bright colors“. Doch zum Jahresende 2010 wurde die letzte Filmrolle des legendären Umkehrfilms entwickelt. Schon allein beim Begriff „Dia“ wird heute jeder Vater eines Sechzehnjährigen dem Sohn weitläufig erklären müssen, was damit gemeint ist, denn mit der Digitalisierung der Fotografie verschwand auch das „Dia“ in rasantem Tempo aus dem Alltag.

„Dwayne‘s Photo“ ein familiär geführtes Labor in Kansas/USA war der letzte Betrieb, der die Prozesschemie für den Kodachrome bis zum Ende des Jahres 2010 noch vorhielt, nachdem die Produktion des Filmklassikers bereits 2009 aufgrund sinkender Nachfrage eingestellte wurde. Wer ab 2011 noch jemand suchte, den Film noch zu entwickeln hatte Pech. Die komplexe Prozesschemie mit der Bezeichnung K-14 für Einzelfälle vorzuhalten, ist absolut unwirtschaftlich.

 

Der Kodachrome, ein klassisches Durchsichtsmaterial mit einer besonders steilen Gradation, war aufgrund seiner Farbe zur Legende geworden. Leuchtende Rottöne, verblaute Schatten und kühles Grün waren die zu erwartenden Farben auf den kleinen, belichteten Filmabschnitten, die jeweils ein Unikat darstellten.  Die Rot-Schwarz-Gelbe Kleinbildpatrone mit dem Kodak-Logo war für Fotografen Alltagsbegleiter. So umständlich das Verfahren auch war, Diafilme zu belichten, bis zum Jahr 2005 konnte es sich kaum jemand vorstellen, einmal auf das Einlegen eines Diafilms verzichten müssen. Wer es sich leisten konnte, nach der Fototour den Film zentral bei Kodak in Stuttgart entwickeln zu lassen, der nutzte Kodachrome. Wer als Fotograf möglichst wenige Stunden nach dem Shooting die Diastreifen dem Artdirector auf dem Leuchttisch präsentieren musste, wählte den Ektachrome, ebenfalls ein Legendärer Diafilm aus dem Hause Kodak, der mit seinem E-6-Prozess auch in dezentralen Labors entwickelt wurde. Auf beiden Filmen-Typen entstanden legendäre Werbekampagnen, stilprägende Reportagen und geschichtsträchtige Dokumentationen. Kodachrome und Ektachrome galten aufgrund dieser Verbreitung als das Super-Material für den erfolgreichen Fotografen. Selbst Kurierfahrer lebten gut im Umfeld von Fotostudios, die oft mehrfach am Tag einige Filme zur Entwicklung ins Labor fahren ließen. Nur wenige Foto-Studios leisteten sich den Luxus, die Filme selbst zu entwickeln, denn wenn der Durchsatz nicht gewährleistet war, weil das eigene Team on Location, weit weg von der häuslichen Filmentwicklung fotografierte, lohnte sich das nicht.

Doch zurück zum letzten Kodachrome, der im Dezember 2010 in Kansas/USA bei Dwayne’s Photo, einem bislang unbedeutenden Fachlabor, entwickelt wurde. Letztlich ging für die Fotografie mit diesem Umkehrfilm eine Ära zu Ende, die 1935 begonnen hatte und die Ausgangsmaterial für tausende von Diaabende war. Für alle nach 1990 geborene: Diaabende waren Veranstaltungen, bei denen ein Projektor, eine Leinwand und viele Bilder im Mittelpunkt standen. Diaabende hatten allerdings einen entscheidenden Nachteil: Sie waren gefürchtet, denn im Schnitt schlief die Hälfte der Betrachter nach spätestens 25 Minuten ein. Ursache waren die Hell-Dunkelphasen beim Dia-Wechsel. Diese belasteten die Augen extrem, was die Ermüdung deutlich beschleunigte. Projektoren ohne Dunkelphase waren teuer. Legendär beispielsweise die Rollei-Twin-Projektoren, die ohne Dunkelhase die projizierten Bilder überblendeten. Die Projektionstechnik von Profis, die durch Ihre Diavorträge einen Teil Ihrer Reisen finanzierten, war sehr aufwändig. Das starke Licht der Projektionslampen ließ bei häufiger Vorführung die Dias verbleichen, der Staub der sich manchmal auf den Slides absetzte, war ein weiterer Feind der Projektionstechnik. Letztlich ist ein Dia ein Unikat. Duplikate von Dias waren früher zwar üblich, doch beim Duplizieren wurde meist auch die Auflösung reduziert, so dass das Unikat im Einzelfall durchaus für den Besitzer einen Wert darstellen kann. Kodachrome-Dias galten zwar als extrem haltbar, dennoch ist es sehr empfehlenswert, hochwertige Diabestände zu scannen um die digitalen Daten besser über die Jahre bringen zu können.
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